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Ausgewählter Beitrag
Das Bonner Spinntreffen
Kinder, Kinder, Kinder... ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll ![]()
Vielleicht mit den Worten Es war einmal?
Also gut.
Es war einmal...
ein
Spinntreffen in Darmstadt und in Thanstein und eine Spinnerin, die dort
mit viel Spaß teilnahm: ich. Durch das Stricknetz waren mir viele
bekannt, aber irgendwie fehlte doch eine ganze Menge Personen, die ich
sonst noch kannte. Beispielsweise unsere Spinngruppe in Bonn. Oder die
Wupperspinner, die mir bis dahin nur "vereinzelt" mal auf dem Wollmarkt
in Euskirchen begegnet sind. Nach und nach reifte der Gedanke, eine
Möglichkeit des Treffens hier in Bonn zu schaffen. Und da es dazu nicht
einmal meiner angelernten Fähigkeiten als Hotelfachfrau bedurfte,
sondern einfach nur ein bisschen PR, ging ich die ganze Sache an - und
für alle, die Ähnliches planen: absolut stressfrei!
Da
war zunächst die Suche nach einem Termin. Mehr als ein großes
Spinntreffen im Monat ist zwar schön, aber die Teilnahme daran nicht
für jeden umsetzbar. Ein Blick in den Kalender des Stricknetzes und
auch auf den eigenen zeigte eine kleine Lücke im Mai. Ich schrieb also
Annie an (die letztes Jahr im Mai ein Treffen in Heilbronn organisiert
hatte) und fragte, ob ich den Termin dieses Jahr haben könnte. Nach
ihrem "go" rief ich im Pfarrheim an und fragte dort, wann ich den
Gemeindesaal an einem Samstag nutzen könnte. Samstag war für mich
übrigens ein wichtiges Kriterium, weil ich annahm (und damit nicht
unrecht hatte), dass dieser Tag vielen eine längere Anreise erleichtern
würde. (Wie sich herausstellte, traf es auch zu und Ester (aus
Nürnberg!) schlug so in aller Seelenruhe bereits am Vorabend bei mir
auf). Auch die Buchung klappte reibungslos und ich wurde gebeten, ab
Vorabend kurz im Pfarrheim vorbei zu kommen, um den Schlüssel abzuholen
und eine Spülmaschinen-Einweisung zu bekommen.
Dann
die PR. Nichts leichter als das: Ein Aushang im Stricknetz, eine Mail
an die lokale Spinntruppe, eine kleine Einladung im Pfarrblatt -
fertig. Da ich die Presse in der Familie habe, bekam auch mein
Journalistenvater eine Info und der organisierte für mich, das der
Termin in der örtlichen Tageszeitung abgedruckt wurde und dann zum
Treffen selbst auch ein Journalist und ein Fotograf kamen. Also auch
bis hier her war alles easy und relaxed.
Nun
ist ja aber ein Spinntreffen erst dann so richtig toll, wenn man sich
wie zufällig dabei auch noch mit ein paar Fasern eindecken kann, oder?
Und was lag da näher, als der ortansässigen Mohairproduzentin Lydia
bescheid zu geben? Ester durfte eh nur in Begleitung ihrer bunten
Zöpfchen auftauchen
und da sogar Mini verrückt genug war, den weiten Weg auf sich zu
nehmen... ich meine... ähm... stellt euch vor, so eine lange Strecke
und das bei der Kälte, da ist es doch ganz gut, wenn sie nicht ohne ihr
Alpaka losgefahren wäre, nicht wahr? Und Annies Zauberbälle hatte ich
eh noch nie gesehen und etwas Industriegarn für die Strickerinnen
rundete das Angebot erst richtig ab. Uli brachte mich letztendlich noch
auf die Idee mit der Tauschbörse, die ich flugs noch für das Netz
verbreitete.
Nun
hatte ich ja den Dorfbewohnern durch die Veröffentlichung im Pfarrblatt
angeboten, sich unser Treiben anzuschaun und Rita erbot sich sofort,
das Infomaterial der Handspinngilde mitzubringen. Jajaja! Es ist mir
beinahe peinlich an dieser Stelle zu erwähnen, dass ich mir auch da
keinen Stress gemacht habe, denn schließlich kenne ich "uns Rita"
und weiß: die ist generalstabsmäßig durchorganisiert. Und so war das
dann auch: eine einzige kurze Rückfrage, ab wann sie im Pfarrheim
aufschlagen kann und schwupp war sie da, inklusive Infotafeln,
Klebestreifen, Schere und Kordeln zum anbringen selbiger, Faser-Proben,
Flagge und und und.Perfekt!
Tja,
und was das leibliche Wohl angeht, da war mir eh klar, dass wir nicht
verhungern werden. Gemäß dem Motto "zur Not bestellen wir ne Pizza"
vertraute ich auf die Gluckeninstinkte aller Teilnehmerinnen und siehe,
das Buffet passte kaum auf die riesige Anrichte in der Küche. Mmmmmh,
waren da leckere Sachen dabei, wahnsinn! Notiz für mich: weil die
vielen Rest doch irgendwie schade waren handhabe ich es das nächste Mal
so: wer es weiter als 100km zum Spinntreffen hat, bringt einfach nix
mehr mit, basta. Wir stellen statt dessen eine Dose auf (wie auch
diesmal; für Getränke, Raummiete oder so) und wir Bonner halten uns
dafür nicht in der Futterproduktion zurück. Ich glaube, das ist
vernünftig.
Das
Wochenende rückte näher, Ester kam, und wir holten den Schlüssel fürs
Pfarrheim ab. Eine Kurzinspektion der Küche zeigte, dass wir noch
Geschirrspülmittel in Pulverform brauchten und die Heizung anstellen
mussten *brrrr, war das kalt!*. Das wars. Sicherheitshalber wurde noch
Toiletten- und Küchenpapier besorgt aber letztlich nicht gebraucht.
Also ab nach Hause und Esters
Kammzüge-Kisten ausladen. Was soll ich sagen: einer schöner als der
andere! Ehrensache, dass ich mich von der Qualität überzeugen musste
und jeden einzelnen Strang inspizierte. Einige (vier) waren so scheußlich,
dass ich sie sofort zur Seite geräumt habe
. Nach einem ginseeligen Abend mit
Häkelnachhilfe, einer kurzen Nacht und einem Tee ohne Frühstück waren
wir dann kurz vor neun im Pfarrheim und begannen, das Geschirr bereit zu
stellen, ein paar Tische aufzuklappen und die Stühle zu entstapeln. Da
trudelten auch schon die ersten ein: Lydia samt Ware (traumhaftes
Mohair, sogar ganze Felle!, Knöpfe, Spangen .. ein Paradies für jede
Strickerin!). Rita mit dem Infomaterial. Die Ecke mit der "Tauschbörse" füllte sich rasch und
leerte sich im Laufe des Tages auch wieder. Und dann kam auch noch Krümel mit
vollem Kofferraum und packte tatsächlich auch die Kardiermaschine mit Unterbau
aus, die übrigens die Journalisten stark beeindruckt hat!
Ganz
plötzlich füllte sich der Raum mit Spinnern und ihren Rädern, mit guter
Laune und mit Geschnatter, Gelächter und das Schwirren der Spinnflügel
kam aus allen Richtungen. Es war sooooo gemütlich, dass sogar die
beiden Journalisten des General-Anzeigers ganz begeistert von der
Atmosphäre waren. Eine halbe Stunde lang haben sie mich beschäftigt und
ausgefragt ("Sagen Sie mal, ich hab da ne ganz tolle Alpakajacke, die
fusselt so furchtbar... haben Sie nicht ne Idee?!"). Allerdings bekam
einer von ihnen einen gehörigen Schreck, als ich ihm sagte, dass er
seine Hände gerade in Angora badet - er hat nämlich eine Allergie und
verschwand erst mal in der Küche, um sich die Hände zu waschen.
Hier
findet ihr den Artikel mit Bildern aus dem Bonner General-Anzeiger! Legt
bitte nicht jedes Wort auf die Goldwaage... da stehen Dinge, die ich
nie oder nicht so gesagt habe. Ich weiß zB nichts davon, dass jemand von
uns "Schottische Schafe" hält - ihr etwa? Aber ich hab schon Artikel
mit mehr Unsinn gelesen, also will ich mich nicht beschweren.
Gegen sechs begannen wir uns langsam wieder aufzulösen und die Spinner
entschwanden in alle Himmelsrichtungen; vollgegessen, vollbepackt und
den Kopf voller neuer Eindrücke. Viele haben sich endlich mal
persönlich kennengelernt, so macher den Vor- oder Besitzer seines
Spinnrades getroffen und gelacht haben wir so viel, dass ich
Muskelkater befürchten musste. Ruck-Zuck war alles wieder verpackt, die
Tische zusamengeklappt, die Stühle gestapelt, die Küche geputzt, der
Raum gefegt und der Flug gewischt. Wo war der Tag nur hin?! Hatten wir
nicht gerade erst aufgeschlossen? Wenn es nach mir gegangen wäre,
hätten wir das Wochenende durch gemacht, auch wenn ich gestehe, dass
Ester und ich nicht unglücklich waren, bei einem wohlverdienten
Gin-Tonic die Füße hochlegen zu können. Puh, wir hatten gar nicht
gemerkt, wie groggy wir tatsächlich waren.
Mein
Fazit: toller Tag! Danke an alle, die sich eingebracht haben und
vorbei gekommen sind und zum Gelingen beigetragen haben: ich
organisiere das gern wieder!
Dagmar Weber
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